Das
Härten
Vor
dem Härten habe ich großen Respekt. Die Klinge ist fertig geschliffen,
man hat schon viele Stunden Arbeit investiert und trotzdem kann man
hierbei noch alles zunichte machen.
Bei
dem von mir geschmiedeten Tanto-Dolch und dem Messer mit
Olivengriffschalen habe ich eine selektive Härtung der Klinge
ausprobiert, wobei der Klingenrücken langsamer abkühlen muss als die
Klingenschneide. Die Methode ist bei Kapp
(1996) für das Härten japanischer Schwerter beschrieben. Dazu wird eine
Mischung aus Holzkohle, Ton und Quarzsand fein im Mörser zerrieben und
mit wenig Wasser zu einem Brei verrührt. Da leider keine Mengenanteile in
der Literatur beschrieben werden, habe ich gleiche Volumina verwendet. Der
Klingenrücken wird nun bis zur Mitte der Klinge mit dem Brei bestrichen,
wobei man den Übergang zur Schneide z. B. als Wellenlinie ausformen
kann. Danach wird die Klinge im Backofen getrocknet. Es bildet sich eine
harte Kruste, die auch bei Erwärmung im Schmiedefeuer nicht abfällt. Hat
die Klinge eine rote Färbung angenommen, wird die Temperatur einige Zeit
gehalten und dann schnell in der Härtflüssigkeit abgekühlt. Auf dem
Tanto-Dolch ist dadurch eine deutliche Härtelinie, der sogenannte Hamon,
sichtbar geworden. Auf dem Klingenrücken hat sich keinerlei Zunder
gebildet. Die fein zermahlene Holzkohle verbraucht bei der Verbrennung den
Sauerstoff und verhindert dabei die Oxidation des Eisens.
Auf
der Solinger Messermachermesse 2002 hat Herr Fred Schmalz das Damaszieren
von Stahl demonstriert. Er erzählte, dass sein Lehrmeister Pflugschare in
Pferdeurin gehärtet hat. Bei einem Messer habe ich diese Methode
erfolgreich praktiziert. Allerdings habe ich in Ermangelung eines Pferdes
auf meine eigenen Reserven zurückgegriffen. Da mir eine Kontrollvariante
jedoch fehlt, kann ich keinen Vergleich zur Öl- oder Wasserhärtung
ziehen. Auf jeden Fall müssten die Salze im Urin zu einer geringeren
Blasenbildung am Metall und somit zu einer gleichmäßigeren Abkühlung führen.
Berglund (2002) empfiehlt bei
einer Wasserhärtung den Zusatz von Kochsalz, um diesen Effekt zu
erzielen.
Seit 2004 arbeite
ich mit einem Härteofen und genauer Temperaturführung. Damit der
Stahl beim Weichglühen oder Härten nicht entkohlt wird er in Härtefolie (Thermax
4878 - 600 x 0,05) eingeschlagen. Die Folie kann man bei der Firma
ThyssenKrupp Nirosta Präzisionsband GmbH beziehen.
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Klinge:
Feilenstahl
Griff:
Ebenholz
Von
oben nach unten: geschmiedeter Klingenrohling, geschliffene Klinge
für das Härten vorbereitet, fertiges Messer mit Hamon |
Klinge:
Feilenstahl
Griff:
Olivenholz |
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Das
Anlassen
Nach dem Härten
hat der Stahl Spannungen und ist brüchig. Um die Klinge gebrauchsfähig
zu machen, wird sie im Backofen auf 200 °C für ein bis zwei Stunden
erhitzt. Die Klinge sollte danach langsam im Ofen abkühlen. Dieser als
„Anlassen“ bezeichnete Vorgang entspannt das Material und führt zu
einer goldenen Verfärbung der Klinge. Die Anlassfarbe kann man aber nur
erkennen, wenn man die Klinge nach dem Härten mit feinem Schmirgel vom
Zunder befreit hat. Diese Verfärbungen werden z. T. auch als dekoratives
Element genutzt. So werden z. B. wundervoll blau gefärbte
Damaszenerklingen verkauft. Hier deutet jedoch die Färbung auf eine
Temperaturbehandlung von 290 °C (Farbskala bei Berglund 2002) hin, die mit einer Abnahme der Härte verbunden ist.
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| Schlußbetrachtung
Jeder
der einen Garten hat, könnte das Messerschmieden zu seinem
Hobby machen. Mit relativ geringem finanziellen Aufwand ist es möglich,
sich den Amboss und eine Feueresse zu besorgen. Die zur Verfügung
stehende Literatur ermöglicht den theoretischen Einstieg, und
Schmiedekurse von Profis (www.schmiede-balbach.de, www.messerkonzept.de) werden weiterhin angeboten. Das Schmieden eines
Messers ist eine grundlegende Selbsterfahrung und führt zurück in eine
fast vergessene Zeit. Es ist ein großartiges Erlebnis, wie sich das Eisen
in der Feuerglut erhitzt und durch die Hammerschläge ein Messer entsteht. |