Im Jahr 2002 ist ein anschaulich bebildertes Buch von Bergland (2002) „Messer schmieden“ erschienen, das umfassend in alle Teilbereiche des Klingenschmiedens und der Holz- und Lederbearbeitung einführt. Jeder der sich nun angeregt durch die Literatur dem Hobby-Schmieden zuwenden möchte, muss einen Weg finden, die Gerätschaften wie Esse und Amboss in seine Wohnraumplanung zu integrieren. Im Keller kann man eine Schmiede leider nicht einrichten, da die Kohlenmonoxidgase schwerer als Luft sind und sehr schnell den Kellerraum ausfüllen würden. Meine persönlichen Erfahrungen zeigen, dass man sich sehr gut im Garten eine kleine Hobby-Schmiede bauen kann. Eine interessante Fundgrube an Wissen über alle Bereiche des Messerhobbys findet man im Internetforum www.messerforum.net . Eine große Auswahl an Schmiedezubehör findet man unter www.angele.de .

 

Der Schmiedeplatz

Die Feueresse

Ich habe mich für die Gestaltung eines freien, nicht überdachten Schmiedeplatzes in der äußeren Ecke des Gartens entschieden. Die Grundfläche entspricht einem Kreisausschnitt mit einer Schenkellänge von 3 m. Bevor der Bodenbelag aus Pflastersteinen im Sandbett ausgelegt wird ist an die Stromzuführung durch ein im Boden verlegtes Stromkabel zu denken. Die Abbildung zeigt den Grundriss mit Esse, Amboss und einer kleinen Bank für die Ablage der Gerätschaften. Für die Esse habe ich einen nach vorne und oben offenen u-förmigen Kamin aus Klinkersteinen gemauert (120 x 75 x 60 cm, H x B x T). Als Abdeckung dient eine Metallhaube, die den Rauch nach oben abführt. Um die gusseiserne Schmiedeesse (80 x 40 cm) in die Klinkermauer einsetzen zu können, sind in Höhe von 80 cm vorne quer zwei Winkelschienen eingemauert, die eine Reihe Klinker aufnehmen. Von hinten ragen in gleicher Höhe rechts und links jeweils ein querstehender Klinker zur Hälfte aus der Wand nach innen heraus. Diese Auflagen tragen ein Gestell aus Winkeleisen, in dem die Esse hängt. Seitlich ist eine kleine Öffnung in der Klinkerwand eingelassen, um den außen angebrachten Röhrenventilator mit dem unteren Teil der Schmiedeesse zu verbinden. Möchte man auch einmal längere Metallteile im Feuer erhitzen, ist an eine weitere schlitzförmige Öffnung in der rückwärtigen Klinkermauer in Höhe Oberkannte Esse zu denken, damit man das Material durchschieben kann. In meiner Anfangszeit habe ich die Esse mit einem Kress-Staubsauger, bei dem man die Strömungsrichtung von Saugen in Blasen verändern kann, belüftet. Der dabei verursachte Lärm war aber nicht nur für die Nachbarn unzumutbar. Auch ein umgebauter Fön ist auf die Dauer deshalb nicht zu akzeptieren. Verschiedene Schmiedeessen und Gebläse kann man auch von Markus Balbach www.schmiede-balbach.de oder www.angele.de beziehen.

Eine Lärmbelästigung der Nachbarn lässt sich beim Schmieden natürlich nicht ganz vermeiden. Obwohl ich seit 1998 diesem Hobby nachgehe, hat man sich bei mir noch nicht beschwert. Wichtig ist natürlich das Einhalten der Sonntags- und Mittagsruhe und ein gutes Nachbarschaftsverhältnis. Um die Klangweite der Hammerschläge weiter zu reduzieren, empfiehlt es sich, den Schmiedeplatz mit einer Heckenpflanzung einzugrenzen.

 

             
Der Schmiedeplatz im Garten: 1) Schmiedeesse, 2) 200 kg Amboss, 3) Schmiedeschraubstock, 4) Bank

 

Der Amboss

Woher einen Amboss bekommen?  Hier bieten Internetauktionshäuser oftmals eine günstige Gelegenheit. Meinen  ersten Amboss (120 kg) habe ich durch direktes Nachfragen der Händler auf einem Flohmarkt erhalten. Beim Kauf sollte man auf Risse im unteren Bereich des Ambosses achten. Schlägt man mit dem Hammer auf die Ambossbahn muss der Klang hell sein und darf nicht klirren. Am einfachsten ist es, den Amboss in einem mit Sand gefüllten Metallfass aufzustellen. Da der Schmiedeplatz im Garten aber nicht nur funktional sondern auch ästhetisch gestaltet sein soll, bietet sich ein Holzstamm aus Hartholz eher an. Eine Landschaftspflegefirma hat mir für meinen ersten Amboss einen Stamm aus Eichenholz geliefert. Auf beiden Seiten habe ich das Holz mit Bitumenfarbe imprägniert. Zur richtigen Auflage des Amboss kann man noch Bitumenfolie unterlegen, die gleichzeitig den Klang der Hammerschläge dämpft. Die Höhe der Ambossbahn ist richtig gewählt, wenn bei aufrechter Haltung der Hammerstiel in der Hand horizontal zur Ambossbahn auf dem Amboss aufliegt (Berglund 2002). Der Amboss ist in einem Abstand von 1,30 m zur Feueresse aufgestellt, so dass man mit einer einfachen Körperdrehung das glühende Werkstück auf dem Amboss bearbeiten kann.

Im Januar 2004 habe ich meinen bisherigen Amboss durch einen sehr gut erhaltenen 200 kg Amboss ersetzt. Der Holzklotz hat ausgedient und wurde durch ein halbes Eichenfass ersetzt, dass ich zu 3/4 mit Sand und bis zum Rand mit Lehm aufgefüllt habe. Darauf sitzt der Amboss. Die restliche Lehmfläche ist mit Blech abgedeckt, so dass Regenwasser den Lehm nicht abspült. Amboss und Schraubstock werden bei Nichtbenutzung abgedeckt und so vor Rost geschützt.

 

 

Balbach-Schmiedehammer, Abschrot, Konus

Schmiedeschraubstock, Amboss, Spalthammer

Schlichthammer

   

Die Schmiedezangen

Profischmiede schmieden sich die Zangen selber. Als Hobbyschmied drückt man da sicher ein Auge zu. Bei einem Baustoffhandel, der sich auf alte Bauelemente aus Bauernhöfen spezialisiert hat, bin ich im Norden von Berlin fündig geworden. Bei ebay.de werden manchmal auch welche angeboten. Ich bevorzuge eine Zange mit einer Länge von 30 cm und einer Hohlkehle, mit der man die Klinge auch senkrecht fassen kann, ohne dass sie zur Seite wegrutscht. Bei Berglund (2002) wird das Schmieden der Zangen jedoch sehr genau beschrieben, so dass man sich notfalls daran versuchen kann.

 

Das Brennmaterial

Als Brennmaterial bevorzuge ich Holzkohle. Schmiedekohle ist zwar billiger und hat einen höheren Brennwert, doch ist sie für uns Hobbyschmiede mit wesentlichen Nachteilen verbunden. Beim Anfeuern der Kohle entstehen, aufgrund des hohen Schwefelanteils, bedrohlich gelbe Rauchwolken die gen Himmel ziehen. Sollte einmal das Wetter ungünstig sein, so verpestet man die Luft der Nachbarschaft nachhaltig. Weiterhin kann der Schwefel die Metalleigenschaften ungünstig verändern. Ein Problem ist weiterhin die schwierige Verfügbarkeit der Schmiedekohle. Im Baumarkt oder Heizstoffhandel wird sie nicht mehr geführt.

Die Befeuerung der Esse verlangt etwas Übung, da man kontinuierlich Holzkohle nachlegen und dirigieren muss. Dazu eignet sich am besten ein Feuerhaken, den man sich als erstes selber aus Baustahl aus dem Baumarkt schmiedet. Bei der Holzkohle gibt es sehr unterschiedliche Qualitäten. Weiter Infos hier:

Nach Berglund (2002) eignet sich auch Koks recht gut.  

 

Klinge: Damasteel

Griff:     Mammut-Elfenbein, Antilopenhorn